bäume

Eleonore Weber
Die Bäume am Abhang
ISBN 978-3-903267-31-2
€ 13,00

Eleonore Weber
Die Bäume am Abhang

Lieferbar
€ 13,00
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12,8 x 20,4 cm, Softcover
102 Seiten
Erschienen im März 2022
ISBN 978-3-903267-31-2

„Die Bäume am Abhang“ ist ein Gedicht-Zyklus, konzipiert als Sprechtext für mehrere Stimmen, inspiriert von einem Zitat aus den Duineser Elegien (1. Elegie) von Rainer Maria Rilke: „Es bleibt uns vielleicht irgendein Baum am Abhang, dass wir ihn täglich wiedersehen“. Die darin ausgesprochene Ungewissheit wird aufgenommen und auf das Unsicher-Werden eines Familienzusammenhangs bezogen. Es ist eine Familiengeschichte in Partikeln. Grundlage ist die Biografie der Autorin. Ausgehend von biografischen Szenen werden schlaglichtartig kurze Passagen von den Familienmitgliedern gesprochen, wobei Kernthemen und einzelne Sätze jeweils von der anderen Figur aufgegriffen und assoziativ weitergeführt werden. Dabei entstehen Bezüge und Sprünge über Zeiten und Generationen hinweg. Im Wesentlichen werden drei Frauen-Generationen gezeigt: die Mutterfigur — die Tochterfigur — die Mutter der Mutterfigur etc.
Über diesen intergenerationellen Zusammenhang hinweg werden Themen wie Beziehung, Gewalt, Untreue, Demenz, Emanzipation, Solidarität, Alter, Jugend, … aus verschiedenen Perspektiven erzählt und zu einem polyphonen Gewebe verflochten.

Verfahren
Die Texte überbrücken die Ungewissheiten als Stimmen, woraus eine Bewegung nach Art eines Perpetuum Mobiles entsteht. Sie bleiben in der Situation. Es bleiben Lücken. Die Texte brauchen diese Dynamik wie Steine im Wasser, um den Fluss zu übersetzen, um bildlich gesprochen im Fluss zu bleiben, in einem rhythmischen musikalischen Flow. Aber warum ist es notwendig eine Biografie (in Mischpersonen) zu zerstückeln? Es aus dem Zusammenhang zu reißen, um es neu zusammen zu setzen. Damit widersprüchlich asynchron übereinander Geschichtetes bleibt, das sich in der Ambivalenz nicht aufhebt, sondern stehen lässt. Letztlich hat keine* das letzte Wort in der Geschichte.
Weitergegeben wird Emotionales, mündlich und assoziativ, oft um den Kern einer tradierten Anekdote, ein Erlebnis oder eine Erinnerung — wie die erste Mondlandung. Der Zeithintergrund fließt beiläufig ein, ist aber nicht unwesentlich. Beeinflusst er doch Position und Perspektiven der Sprecherinnen: Für die Tochter (*1966) stellt sich Ungewissheit anders dar als für die Mutter (*1934). Dahinter tauchen (psycho)soziale Themen auf: die Erfahrung von Kontingenz, veränderte Zeithorizonte, politische Veränderungen, die Ängste der Mittelschichten vor dem Abstieg, die Frage, was bürgerlich sein bedeutet, die sich u.a. in Möbeln manifestiert …— und wie sich das alles verändert. Immer findet sich eine Replik einer anderen Figur, deren Erfahrungshorizont nicht aus derselben Zeit stammt. Schon das Anordnen verschiedener Zeiten nebeneinander halte ich für ein kritische Praxis. Veränderungen und Entwicklungen tauchen als Imagination auf, ohne dass sie thetisch werden müssen. Das Poetische als ästhetisches Verfahren lässt das eher zu als eine kohärente Narration.

Im Schreiben wird ein Weg gesucht, das Familiale nicht als fortlaufende Geschichte zu erzählen, sondern es in einen dialogischen Prozess des Zustimmens und Verwerfens zu verwickeln und damit neu in Bewegung zu setzen. Andere Verbindungen und „Verwandtschaften“ werden möglich und denkbar. Anliegen ist die Reflexion der Zeit.

Der Text hat keine chronologische Ordnung. Da die Passagen nicht fortlaufend erzählt werden, entstehen — ähnlich einem Hypertext —, nach dem Prinzip der Montage viele Möglichkeiten der Anbindung und der Anordnung. Auch neue Stimmen können hinzutreten und mitsprechen. Es bleibt geöffnet.

Petra Panther



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