nina1.jpg

How it feels to be free

zum Frauentag 2019

Die Sehnsucht nach dem vollendeten Werk ist der Punkt, wo eine Äußerung mit ihrer Darstellung und das Sagen mit dem Leben zusammenfällt. Dort, wo das Sagen als Expression mit dem Sein in Eins geht, identisch  wird. Wo die Äußerung "wie fühlt es sich an, frei zu sein" zum Gefühl wird, frei zu sein, zur Freiheit wird.
Es gibt Formen, die dafür eher geschaffen sind, als andere. Schrift ist dafür ein denkbar schlechtes Medium. Schrift braucht Umwege, Bilder. Schrift hetzt den Geschehnissen hinterher, nachträglich, immer zu spät, aber wenig geschieht in/durch/als Schrift. Im schlimmsten Fall wird etwas zurechtgezimmert und nachgebaut. In den seltensten Fällen gelingt es, etwas so auftauchen zu lassen, dass es da ist. In diesem Moment entsteht. Jetzt.

Und. Manchmal. Doch.
Auch Sprache ist für den Augenblick gemacht.
Alles, was in Echtzeit stattfindet, sich ereignet, ist gut: Performance, Musik, Jazz vor allem. Ja, Ja, Jazz, Improvisation und Nina Simone. Nina Simone vor allem. Nina Simone live auf dem Festival von Montreux 1976. Nina Simone führt vor aus, wie es sich anfühlt, frei zu sein und wird frei. Sie ist es natürlich schon, aber sie erzählt nicht darüber, wie es ist, frei zu sein, sie tut es. Es ist keine Darstellung, sondern ein Akt.
Alle Anderen werden zu Zeug*innen der Entstehung von - ja, von was genau? Von etwas das jetzt stattfindet. Vom Moment in seiner Entstehung. Ein Augenblick wird ihnen geschenkt.

Aber der Reihe nach, sagt die Schrift, weil sie nicht anders kann. Also:
Sie steht und richtet das Standmikrofon, das sie eigentlich gar nicht braucht, oder vielleicht doch, es steht schief, vielleicht. Das Standmikrofon richtet sie, als würde sie die Blume in einer Vase ordnen. Im Off. Sie geht zum Klavier. Es gibt nichts. Für jeden Anfang ist das ein unglaublich wichtiges Moment.

Noch nichts. Nichts ist da.

Niemand weiß, was geschehen wird. Bis es kommt.
Noch hüpft sie dahin auf den Tasten
setzt Akkorde ins Bestehende.
Fingerspiel.
Schüttelt den Kopf.
Kinderspiel. Piece of Cake.
Sie spielt mit einem Ausdruck,
als würde sie Teig kneten oder Ton.
Töne.
Ab und zu drischt ein Schlag ins Klavier.
Bam
Bam

Die Achse Bass-Schlagzeug trabt hinterher.
Das Schlagzeug kehrt den Weg.

Wish I would know, how it feels to be free.
I wish I could break all chains that are still binding me.
I wish I would say all the things that I can say when I'm relaxed.
Das ist jetzt ein LiedTEXT und es KÖNNte alles so weiter laufen.
re-LAXED
BAM
BAM
Aber so ist es doch viel zu langweilig.
Warum denn in dem bleiben, was es schon gibt?

Aber dann kommts, I'm starting anew now. Sie kündigt es an.
Und dann zur Band: Don't leave me.
Damit verläßt sie das Timing, den Rythmus, die Band nimmt sie mit.

Ein Vogel, sagt der Liedtext, ein Vogel kommt jetzt
...like a bird in flight.
Ab da gehört ihr alles und sie kann machen, was sie will.
Dieses Lied zum Beispiel nehmen und umbauen, vor laufender Kamera, mitten im Flug. Simultan. Diese Möve.

Wish you could KNOW
WHAT IT MEANS to be ME

Everybody should agree what it means to be free
for if we ain't we're
MURDERESS

MÖRDERIN !!
sind wir
wenn wir nicht frei sind

like a bird in the sky.
und dann völlig high und hoch oben
und jetzt brauchen auch die hände
kein keyboard mehr - alles in der Luft
und kein Halt
The spirit's moving now
Wer das bis jetzt noch nicht gecheckt hat
weiß es jetzt
ah-ah
ach ja da war doch diese Möve

JO NA THAN
LIV ING STON
SEA
GULL

BAM
BAM

ain't got nothing on
ME
FREE
FREE
FREE
FREE
I'M FREE and I KNOW IT
Don't wanna be a -#
But I show it
I'm still free
and I
SING
SING
SING
Cause I would know -

von der Euphorie ist der Ernst geblieben:
I already know... I found out
Erfahrung ist das jetzt, Hindernisse,
die ihr in den Weg gelegt wurden
die sie TROTZ ALLEM nicht aufhalten konnten.
How it feels not to be chained
to any thing
to any race
to any body
to any anything
I KNOW HOW IT FEELS TO BE FREE

Simultan, die Verhältnisse ändern.
Das Stück, die Parameter ändern.
Neues schaffen.
Nicht in dem bleiben, was es gibt.
Frei sein.
Ach, wie wünschte ich, dass es wäre.
Kein Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Nina Simone führt aus, wie es geht.

https://www.youtube.com/watch?v=5dlrXCYrNYI

zurück

© 2019 Eleonore Weber

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.