In den Sätzen

"In den Sätzen" ist ein experimentelles Literaturprojekt, das sich mit Utopie und einer möglichen anderen Welt beschäftigt. Wie viele meiner Texte hat es eine offene Struktur, die sich aus dem Schreiben ergeben hat. Mehrere Themen sind übereinander geschichtet, verschiedene literarische Formen stehen nebeneinander. Wenn ich es bezeichnen müsste, was ich ungern tue, würde ich es eine reflexive Prosaskizze nennen. Zwar gibt es eine Art Story, aber die eigentliche Entwicklung findet zwischen den Wörtern und Sätzen statt. "In den Sätzen" gibt keine Antworten auf so brennende Fragen der literarischen Etikettierung, wie: Wovon handelt es? Welche Textsorte ist es? Lyrik? Prosa? Weder noch, beides gleichzeitig.
Natürlich konnte ich die gesellschaftliche Situation nicht ausblenden, deshalb ist sie eingeflossen.
Auch andere existenzielle Dinge konnte ich nicht draußen lassen, das Älterwerden, die Endlichkeit, die Frage nach den Spielräumen.
Anderes ist in die Quere gekommen, lärmt, stört und krakeelt. Der Pop? Das Außerhalb? Das Soziale? Der Kitsch? Das Mitleid? Die Biografie? Etwas, von dem ich überhaupt noch nicht weiß, wo es hingehört.
Wie in einigen anderen Arbeiten (v.a. "Sprechzwang" 1990) ist das Lesen bzw. die Kommunikation mit anderen Texten ein Thema. Seit ich denken kann, befinde ich mich in den Sätzen anderer. Auf diesen beständigen Umgang will diese Arbeit hinweisen umso mehr, als es schwieriger wird, die gemeinsamen kommunikativen Räume offenzuhalten. (Auch die Sätze werden zu "Eigentumsformen", "Claims", "Revieren", werden argwöhnisch bewacht, verteidigt, besetzt und besessen. Aus meiner Erfahrung beginnt Kunst immer mit Offenheit. Ich muss mich vor dem Geschlossenen hüten:))

Es gibt Texte, die mit  Risiko geschrieben sind (Michel Foucault, Eine Ästhetik der Existenz, in: Von der Freundschaft als Lebensweise, Merve Verlag).
Vieles ist in diesem Projekt nur angerissen, anderes ist zu einem Text geworden, obwohl es eigentlich als Tat bzw. handelnde Interaktion gemeinschaftlich gedacht war. (Das Projekt  Unendlich teilbar, das mich seit 2 Jahren sehr beschäftigt kommt vor, aber literarisch und verschlüsselt. Ich hoffe, dass es einmal eine andere Form erhält)
Das Gelingen und auch das Scheitern, liegen auf einer anderen Ebene als im Schreiben eines literarischen Textes. denn darum ging es ohnehin nicht, mehr um die Klärung.
Vorläufig.
Veröffentlicht wird im Frühjahr 2019 ein "Materialienbuch" mit Zeichnungen bei fabrik.transit. Der Band Queen verdanke ich nachträglich die wunderbare Bezeichnung Rhapsodie. Denn wenn es schon ein Etikett tragen muss, so passt dieses am besten als Formbezeichnung. Das Gegenteil von Rhapsodie wäre übrigens - das habe ich dann im Netz gefunden - das System. Der Rhapsodie wird auch oft vorgeworfen, unsystematisch zu sein. Genau das ist es. Letztlich hat alles wunderbar gepasst. Das Layout ist gestern fertig geworden und am Montag geht es in den Druck.
Über die Entstehung gäbe es sehr viel zu sagen. Es ist jetzt ein selbstständiger Text, der etwas Eigenes verfolgt und nach jedem Text befinde ich mich anderswo. Ich glaube, dass es nur darum geht, um das Freispiel.

Beschreibung (Klappentext):

Im Monolog der Erzählfigur breiten sich fiktive geografische, musikalische Räume, und Räume der Erinnerung aus:
Ausstellungsräume, Musikstücke, Gelesenes …
Im Älterwerden erscheint die Endlichkeit, in der Einsamkeit die Frage nach den Zusammenhängen und nach dem „unendlich Teilbaren“, im Gemeinsamen die Frage nach dem Mitgefühl, im Bestehenden die Frage nach der Utopie.

Dabei greift die Erzählfigur auf Zitate zurück; auf angeeignete „Sätze“ aus der Literatur, Philosophie oder Popmusik, denen sie als Leserin Bedeutung gibt und die sie— teilweise gegen den Strich gelesen — in neue Zusammenhänge bringt.
Zentrales Motiv ist die mehrdeutige Suche nach einem Austritt/Ausweg/Exit, die mit dem Zitat aus Ingeborg Bachmanns Erzählung „Das dreißigste Jahr“ — „Dann spring, dann sei anders, damit sich die Welt ändert“— verbunden ist.

Im letzten Teil „Gossip und Trash“ werden die „Sätze“ noch einmal kommentiert. Es entstehen intertextuelle Bezüge als poetische Assoziationen.

Texte und Zeichnungen

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© 2019 Eleonore Weber
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